Bootswerft Lago Maggiore
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YACHTSERVICE LAGO MAGGIORE
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Marinetechnik: Bugstrahlruder

SICHERHEIT UND KOMFORT AN BORD

 

Ein Bugstrahlruder hilft die Drehfähigkeit einer Yacht auch auf engstem Raum zu erhöhen und bei Manövern mit langsamer Fahrt der Abdrift durch Seitenwind entgegen zu wirken. Darüber hinaus erlaubt eine Bugschraube auch die seitliche Drehung des Bugs bei völligem Stillstand des Schiffes, was insbesondere bei An- und Ablege Manövern hilfreich sein kann.

Besonders folgende Boots- bzw. Antriebstypen haben eine eingeschränkte Manövrierfähigkeit, die mithilfe eines Bugstrahlruders erheblich verbessert werden kann:

- Motorboote mit nur einem Wellenantrieb sind schwerer zu manövrieren als Boote mit zwei Schrauben, die dazu genutzt werden können das Schiff auf der Stelle zu drehen und entsprechend Manöver mit geringeren Radien auszuführen.

- Segelyachten mit zwei Ruderblättern haben den Nachteil dass keines der beiden Ruderblätter direkt von der Schraube angeströmt wird und somit die Ruderanlage vor allem während der Manöver mit langsamer Fahrt an Effizienz verliert.

- Segelboote mit einem Sail-Drive Antrieb sind ebenfalls in Ihrer Manövrierfähigkeit benachteiligt, nachdem die Distanz zwischen Schraube und Ruderblatt relativ gross ist. Die Effizienz der Ruderanlage bei Manövern mit langsamer Fahrt ist eingeschränkt, nachdem die von der Schraube erzeugten Strömung nicht mit genügend Kraft auf das Ruderblatt trifft.

Ein Bugstrahlruder garantiert durch eine verbesserte Manövrierfähigkeit nicht nur eine bessere Kontrolle des Schiffs, sondern steigert auch das persönliche Gefühl von Sicherheit des Schiffsführers. Kurz gesagt: etwas anspruchsvollere Anlegemanöver sind mit einem Bugstrahlruder einfacher zu meistern!

Bei Neukauf eines Schiffes sollte ab einer gewissen Grösse daran gedacht werden sofort ein Bugstrahlruder einbauen zu lassen, falls es nicht sowie schon zur Standardausführung gehört. Entscheidet man sich erst später für den Einbau, so ist eine Nachrüstung grundsätzlich möglich.

Der Einbau im Schiff hat soweit vorne wie möglich zu erfolgen. Der vom Bugstrahlruder erzeugte Schub wirkt mit einem grossen Hebelarm auf das System Schiff und garantiert eine hohe Effizienz der Anlage. Zugleich muss sich aber die Bugschraube tief genug im Wasser befinden. Liegt sie zu nahe an der Wasserlinie, geht ein Teil der Schubkraft durch Kavitation verloren und der Wirkungsgrad der Anlage verschlechtert sich. Beides sind offensichtlich gegensätzliche Vorgaben, die einen Kompromiss bei der Wahl der Position des Bugstrahlruders nötig machen.

Ein weiterer Faktor der den Einbau beeinflusst, ist natürlich die Innenaufteilung, die Einrichtung und die sich daraus ergebenden Platzverhältnisse im Vorschiff.

Je nach vorhandenen Gegebenheiten kann zwischen verschiedenen Einbaumöglichkeiten gewählt werden. Bugstrahlruder gibt es grob gesagt in drei Ausführungen:

- Das Tunnel-Bugstrahlruder besteht aus einer Schraube, die in einem Tunnel ihren seitlichen Schub erzeugt. Der Tunnel selbst ist im Bugbereich quer durch das Unterwasserschiff im Rumpf eingebaut. Um diesen tief genug einbauen zu können, kann er oft nicht sehr weit vorne eingelassen werden und sitzt deshalb schon in Bereichen, in denen die Einrichtung stark umgebaut werden muss um der Anlage Platz zu machen.

- Einziehbare Bugstrahlruder ermöglichen hingegen einen Einbau weit vorn im Bugbereich. Bei ihrem Einsatz wird zunächst die Schraube aus dem Rumpf gefahren und arbeitet somit in einer ausreichenden Wassertiefe.

- Bugstrahlruder als Anbausysteme bestehen aus stromlinienförmigen Gehäusen, die die gesamte Anlage enthalten und von aussen am Rumpf befestigt werden. Die Montage ist im Vergleich zu den beiden oben aufgeführten Systemen, relativ einfach und auch dann möglich, wenn im Vorschiff selbst kein Platz für den Einbau vorhanden ist.

Die Grösse der Anlage und damit die entwickelte Schubkraft, hängt hautsächlich von folgenden Faktoren ab:

- Rumpflänge und Verdrängung

- Seitenfläche des Überwasserschiffes

- Lateralwiderstand des Unterwasserschiffes

- im Revier durchschnittlich zu erwartende Wind- und Strömungsverhältnisse

- durchschnittlich zu erwartende Platzverhältnisse in den anzulaufenden Häfen

Bei der Bestimmung der Leistungsanfordrung an das Bugstrahlruder, ist zu bedenken dass elektrische Bugstrahlruder wegen der Gefahr der Überhitzung nur eine begrenzte Einsatzzeit haben. Die Einschaltdauer ist oft auf wenige Minuten beschränkt. Auch aus diesem Grund ist prinzipiell zu einer Überdimensionierung der Anlage zu raten.

Ein ungefährer Richtwert in Bezug auf die nötige Schubkraft in Newton eines Bugstrahlruders, in Abhängigkeit der Schiffslänge, wird in folgender Tabelle angegeben:

Bei dem Einbau eines Bugstrahlruders gilt es auch folgende Punkte zu beachten:

- Der Einbau der Anlage darf auf keinen Fall zu einer strukturellen Schwächung des Kiels und des Bodenbereiches insgesamt führen. Die Kräfte, die z.B. bei starkem Stampfen im Bugbereich von aussen auf das Schiff einwirken, dürfen nicht unterschätzt werden.

- Der bei Betrieb benötigte Strom fliesst zwar nur für relativ kurze Zeit, ist aber sehr hoch. Das erfordert richtig dimensionierte Kabelquerschnitte, die je nach verlegter Kabellänge oft daumendick sein müssen und entsprechend abgesichert sein müssen. Eventuell müssen Batterien mit ausreichender Kapazität und entsprechende Lademöglichkeiten, nachgerüstet werden. Die Integrierung in das vorhandene elektrische Bordnetz muss allein schon aus Sicherheitsgründen nach geltenden Richtlinien erfolgen.

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